Rede im hessischen Landtag am 2. September 2008
Antworten auf Fragen der Abgeordneten
Schriftliche Stellungnahme
Rede im hessischen Landtag zum Thema „Zukünftige Energie- und Klimaschutzpolitik in Hessen”
(aus dem Wortprotokoll des hessischen Landtags, Umweltausschuss und Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr)
Thomas Seltmann: „Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn Sie in diesen Saal hereinkommen, sehen Sie einen großen Stapel Papier mit den Ausschussvorlagen. Wenn wir jetzt unsere Experten fragen würden, könnten die wahrscheinlich ausrechnen, wie viel Energie in Form von gespeicherter Sonnenenergie in diesem Papier steckt. Was man nicht so leicht ausrechnen kann, ist die Energie in Form von Kompetenz, die die Experten hier eingebracht haben. Ich denke, das ist eine ganze Menge. Wahrscheinlich kann man das gar nicht hoch genug einschätzen. Ich wünsche mir und ich wünsche Ihnen, sehr geehrte Abgeordnete, dass Sie diese Energie nutzen können, um daraus kluge, wegweisende Entscheidungen für die Energiepolitik, vielleicht sogar nicht nur hier in Hessen, ableiten und umsetzen können.
Ich habe versucht, mich in meiner schriftlichen Stellungnahme sehr kurz zu fassen, werde das auch jetzt tun und Ihnen in knapper Form im Sinne von Energieeffizienz, wie meine Vorrednerin schon sagte, ein paar kleine Impulse geben. Ich will mich deshalb auch gar nicht lange mit einer Vorstellung aufhalten. Wer über die Energy Watch Group Näheres wissen und unsere Studien im Detail nachlesen will, was ich Ihnen sehr empfehlen kann, kann das auf unserer Internetseite tun.
Ich will ganz kurz eingehen auf einige Punkte aus dem Themenkomplex 1, was die Ausgangssituation und die Rahmenbedingungen betrifft. Da wir uns als Energy Watch Group im Wesentlichen mit internationalen Zusammenhängen beschäftigen, kann ich jetzt nicht auf das Land Hessen im Einzelnen eingehen. Aber ich denke, diese grundlegenden Informationen werden sicherlich auch hier vor Ort Bedeutung haben.
Zur Situation im Bereich der Kernenergie: Bei nüchterner Betrachtung erscheint die Bedeutung der Kernenergie doch recht überbewertet. Sie deckte in Deutschland im Jahr 2007 nur 5,4 % und weltweit sogar weniger als 2,5 % der Endenergie. Das ist ein relativ bescheidener Beitrag, wenn man sich anschaut, welche Bedeutung diese Energieform in der öffentlichen Diskussion hat.
In der Statistik wird einiges durcheinandergeworfen. Es wird oft vom Energieanteil gesprochen, wenn der Stromanteil gemeint ist. Dieser liegt bei der Atomenergie in Deutschland bei 25 %, der Primärenergiebeitrag liegt bei 11 %, aber der Endenergiebeitrag, also das, was letztlich aus den Kraftwerken an nutzbarer Energie herauskommt, beträgt in Deutschland bei der Atomenergie nur 5,4 %.
Umgekehrt sieht die Situation bei den erneuerbaren Energien in Deutschland aus: Primärenergiebeitrag 6,7 %, aber Endenergiebeitrag 8,5 %. Sie sehen also schon: Wenn man mit den Zahlen an einer unterschiedlichen Stelle in der Energieversorgung ansetzt, kommt man plötzlich zu einer völlig gegensätzlichen Aussage, nämlich dass der Endenergiebeitrag der erneuerbaren Energien in Deutschland bereits heute um rund die Hälfte höher ist als der Beitrag der Atomenergie.
Was in Bezug auf die erneuerbaren Energien im Verhältnis zur Atomenergie auch interessant ist, ist die Entwicklung. Wir stellen weltweit eine Stagnation der Atomenergie fest, und in den nächsten Jahren ist sogar ein Rückgang des Anteils der Atomenergie zu erwarten, weil der Neubau von Atomkraftwerken im internationalen Bereich nicht Schritt hält mit der Stilllegung, mit dem Rückbau von alten Anlagen. Wir haben es hier ganz sicher nicht mit einer Renaissance dieser Technik zu tun, sondern bereits heute eigentlich mit einem Ausstieg aus der Atomenergie.
Der Anteil der erneuerbaren Energien wächst in den letzten Jahren sehr schnell. Er wächst auch - das ist eigentlich das Interessante dabei - sehr viel schneller, als es in der Vergangenheit selbst die optimistischsten Optimisten prognostiziert haben. Die Energy Watch Group arbeitet gerade an einer Studie zu diesem Thema. Diese ist leider noch nicht fertig; deswegen kann ich Ihnen keine detaillierten Informationen dazu geben. Ich lade Sie aber ein, sich bei uns in den Verteiler eintragen zu lassen. Dann bekommen Sie diese Informationen, die im Laufe der nächsten Wochen und Monate verfügbar sein werden.
Ich will vom Thema Atomenergie zum Thema Rohstoffverfügbarkeit übergehen. Das ist das Kernthema, mit dem sich die Energy Watch Group zurzeit beschäftigt. Wir erarbeiten Analysen zu allen Ener