Diesen Text aus dem Jahr 1992 habe ich für eine lokale Stromsparkampagne verfasst.
Die meisten Tipps und Hinweise sind noch immer gültig.
Warum Strom sparen?
Das 5-Punkte-Konzept *****
* Verbrauch feststellen
* * Bewusster Stromgebrauch
* * * Sparen mit neuen Geräten
* * * * Kleine Tricks mit großer (Spar-)Wirkung
* * * * * Tipps für Sparmanager
Begriffserklärung
Elektrischer Strom ist eine hochwertige Energieform. In Wärmekraftwerken erzeugt ein Brennstoff Wasserdampf, der Turbinen in Drehbewegung versetzt und damit einen Generator antreibt. Nur etwa ein Drittel der im Brennstoff steckenden Energie wird so über den Umweg „Wärme” in Strom gewandelt. Die übrigen zwei Drittel gehen in der Regel als Abwärme verloren. Weitere Verluste entstehen auf den langen Transportwegen vom Kraftwerk zum Verbraucher. Aus diesen Gründen ist Strom für den Privathaushalt auch die teuerste Energie.
Hier erkennt man auch, wie unsinnig es ist, Strom für die Wärmeversorgung zu nutzen (Heizung, Warmwasser), denn so ist der Energieverbrauch dreimal so hoch als mit einer modernen Gas- oder Ölheizung.
Strom sollte nur dort eingesetzt werden, wo er sinnvoll und notwendig ist, wie z.B. bei Elektronik, Beleuchtung, Antrieben usw.
Für den Privathaushalt ist Stromsparen nicht nur praktizierter Umweltschutz und ein Beitrag zur Schonung unserer begrenzten Ressourcen, sondern auch eine lohnende „Geldquelle”.
Diese Broschüre soll Ihnen helfen, Ihren Haushalt Schritt für Schritt in einen „Stromsparhaushalt” zu wandeln, und zwar ohne Ihren Komfort einzuschränken. Im Gegenteil, Sie werden sehr schnell feststellen, daß ein bewußter Umgang mit Energie nicht nur viel Geld spart, sondern auch die Lebensqualität steigert.
Im ersten Schritt stellen Sie den Stromverbrauch im Haushalt fest. Dazu listen Sie in der beiliegenden Tabelle (Anhang) die wichtigsten Verbraucher Ihres Haushalts auf. Wichtig sind dabei nicht nur die Großgeräte Kühlschrank, Waschmaschine und Elektroherd, denen man ohnehin hohen Stromverbrauch zutraut. Gerade die „heimlichen Stromfresser” — elektronische Geräte, deren Netzteile oft mehr verbrauchen, als das Gerät selbst — schlagen bei der Stromrechnung oft kräftig zu Buche. (Beispiele: Radiowecker, Stand-by-Schaltungen von Fernseher, Videorecorder und HiFi — Anlage, Satellitenempfänger, Antennenverstärker, durchgehend eingesteckte Akkuwerkzeuge usw.). Auf die Liste gehören noch die Beleuchtung, sowie Verbraucher, die Sie häufig benutzen. Dies kann beispielsweise eine Bohrmaschine, ein Funkgerät oder ein Computer sein. Geräte, die nur kurz oder selten eingeschaltet werden, sind nicht so wichtig. (z.B. Staubsauger, Wäscheschleuder, Dosenöffner, Rasierer usw.)
In die entstehende Tabelle tragen Sie jeweils die Leistungsaufnahme und den ermittelten oder geschätzten jährlichen Stromverbrauch ein. Daraus ersehen Sie nun, wofür Sie am meisten Strom verbrauchen und vielleicht verschwenden. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse einmal mit der Grafik auf der Titelseite.
Außerdem ist es sinnvoll, wenn Sie in nächster Zeit Ihren Stromzähler regelmäßig (z.B. wöchentlich) ablesen und damit Verbrauch und Einsparerfolg kontrollieren.
Nun gilt es, mit möglichst einfachen und effektiven Maßnahmen erste Sparerfolge zu erzielen. Beginnen wir damit, unser Verhalten und unsere Gewohnheiten etwas abzuändern — einsparen können wir damit bis zu 20% der „Edelenergie Elektrizität”.
Hier die wichtigsten Sparregeln zu den einzelnen Stromverbrauchern:
Kühlen und Gefrieren:
Die Geräte sollten an einem möglichst kühlen Ort stehen, keiner Sonnenbestrahlung ausgesetzt sein und ihre Innentemperatur nicht zu niedrig eingestellt werden. Beim Kühlschrank 7 Grad und -18 Grad Celsius beim Gefriergerät reichen völlig aus. Die Wärmetauscher auf der Geräterückseite müssen gut hinterlüftet und regelmäßig entstaubt werden. Sie sollten die Geräte regelmäßig abtauen. Wenn Sie die Türen nur kurz öffnen, sowie Flüssigkeiten und Speisen abdecken, vermindern Sie die Eisbildung. Stellen Sie keine warmen Speisen in Kühl- und Gefriergeräte. Dichtschließende Türen sowie Übersicht und Ordnung (kurzes öffnen der Titren) vermindern Energieverluste. Nutzen Sie — falls vorhanden — die Sparschaltung oder das teilweise Abschalten von leeren Schubladen bei Gefrierschränken. Ein- bis Drei-Sterne-Fächer in Kühlschränken sind nur für die vorübergehende Lagerung von Tiefkühlkost gedacht und eignen sich nicht zum Einfrieren. Lagern Sie nur Lebensmittel im Kühlschrank, die wirklich gekühlt werden müssen.
Waschen und Spülen:
Etwa 90 bis 95% des Stroms werden in diesen Geräten allein zur Erwärmung des Wassers benötigt. Daraus ergeben sich viele Sparmöglichkeiten: Beide Geräte sollten nur voll beladen eingeschaltet werden. Beim Waschen genügt meist der Hauptwaschgang und eine Temperatur bis 60 Grad Celsius. Außer bei Babysachen oder Krankenkleidung sollten Sie auf „Kochen” verzichten — Sie schonen so Ihren Geldbeutel und die Wäsche. Nutzen Sie vorhandene Sparprogramme an Wasch- und Spülmaschine. Beim Geschirrspülen können Sie auf den Vorspülgang verzichten, wenn Sie groben Schmutz mit kaltem Wasser entfernen. Sperriges Geschirr und Töpfe reinigen Sie besser von Hand.
Kochen und Backen mit Strom:
Wichtiger als man oft annimmt, ist das richtige Geschirr: Edelstahltöpfe mit einem ebenen, geschliffenen Boden aus Aluminium oder Kupfer eignen sich besonders gut. Nehmen Sie keinen zu großen Topf (möglichst zu 60 bis 80% gefüllt), benutzen Sie immer einen gut schließenden Deckel und die richtige Herdplatte. Am besten sind natürlich Dampfkochtopf und doppelwandiges Isoliergeschirr. Garen Sie mit möglichst wenig Wasser und nicht zu hoher Temperatur. Heizen Sie Platten und Backofen nicht vor und nutzen Sie die Nachwärme, indem Sie entsprechend früh zurückschalten. Kochen Sie Speisen nicht länger als nötig und lassen Sie Getreide, Reis u.ä. vorquellen. Für Spezialaufgaben gibt es Geräte, die mit weniger Strom denselben Zweck erfüllen: Kaffeemaschine; Toaster; Mikrowelle (für kleine Speisemengen). Zum Auftauen benötigen Sie weder Mikrowelle, noch Backofen: Bei Zimmertemperatur geht’s von selbst.
Kleingeräte und Unterhaltungselektronik:
Fernsehgerät, Videorecorder, HiFi-Anlage und Satellitenempfänger sollten Sie immer ganz abschalten (vom Netz trennen), denn sonst verbraucht das Netzteil immer Strom. Das summiert sich bei den oben genannten Geräten leicht auf 300 kWh jährlich, und mehr! Ziehen Sie bei Radiorecordern, Tischrechnern u.ä. immer den Stecker wenn kein Netzschalter vorhanden ist.
* * * SPAREN MIT NEUEN GERÄTEN
Neue Elektrogeräte haben heute einen wesentlich geringeren Stromverbrauch als noch vor wenigen Jahren. Es ist also überlegenswert, beispielsweise einen alten Kühlschrank gegen einen sparsamen auszutauschen. Die Einsparung kann so groß sein, daß sich das neue Gerät durch die ersparten Stromkosten quasi selbst finanziert. Jedoch gibt es selbst bei modernsten Geräten noch erhebliche Verbrauchsunterschiede (bis zu 100%), bei ähnlichen Preisen. Deshalb folgende Tips:
Kühlen:
Der Kühlschrank sollte nicht größer sein als erforderlich und eine möglichst dicke Isolierung haben. Wenn Sie ein Gefriergerät haben, können Sie auf ein Gefrierfach im Kühlschrank verzichten. Die „No-Frost”-Funktion („automatisches Abtauen”) erhöht den Stromverbrauch unverhältnismäßig und ist deshalb ebenso wie die neuen „Frisch-Kühl”-Geräte (mit 0 Grad — Fach) nicht empfehlenswert.
Gefrieren:
Ziehen Sie eine Gefriertruhe dem Gefrierschrank vor; sie benötigt bei gleichem Inhalt wesentlich weniger Energie, auch weil beim Öffnen kaum Wärme eindringt.
Waschen:
Beachten Sie, daß Sparprogramme vorhanden sind. Wenn Sie oft wenig Wäsche haben, ist eine Wassermengenautomatik sinnvoll. Sie sparen viel Strom, wenn Sie die Maschine an die Warmwasserversorgung anschließen (sofern diese nicht elektrisch arbeitet). Dazu brauchen Sie eine Waschmaschine mit separatem Warmwasseranschluß oder ein Vorschaltgerät, das die Wassertemperatur richtig mischt. Die Warmwasserzuleitung sollte möglichst kurz sein.
Spülen:
Sparprogramme sind auch hier sinnvoll. Die meisten Spülmaschinen können problemlos mit Warmwasser gespeist werden. Sie können aber auch hier ein Vorschaltgerät verwenden.
Trocknen:
Ein elektrischer Wäschetrockner ist immer überflüssig, wenn Sie etwas Platz zum Wäscheaufhängen haben (Terrasse, Balkon). Empfehlenswert ist dagegen die Anschaffung einer Schleuder, die nur noch eine geringe Restfeuchte in der Wäsche läßt. Wenn aber unbedingt ein Trockner angeschafft werden muß, sollten Sie einen Ablufttrockner bevorzugen. Keinesfalls sollten Sie sich für einen sogenannten „Waschtrockner” (Kombination) entscheiden. Platz läßt sich auch sparen, indem man den Trockner auf die Waschmaschine stellt und befestigt.
Kochen und Backen:
Steht ein neuer Herd zur Anschaffung an, sollten Sie zunächst prüfen, ob der Anschluß eines Gasherdes möglich ist. Ein Gasherd ist nicht nur ebenso sicher wie ein Elektroherd und wesentlich komfortabler, sondern spart große Mengen Primärenergie und etwa 50% Betriebskosten gegenüber einem Elektroherd. Finanziell lohnt sich also der Umstieg. Bleiben Sie aber beim Elektroherd, ist ein Induktions- oder Halogenkochfeld (Glaskeramik-Oberfläche) sparsamer. Der Backofen sollte im Umluftbetrieb arbeiten. Pyrolytische oder katalytische Selbstreinigungsmöglichkeiten sollten Sie nicht benutzen; Vorteil dieser Ausstattung ist aber die dickere Isolierung des Backraums, was einen sparsameren Betrieb ermöglicht. Bei einem herkömmlichen Herd sollten Automatikplatten vorhanden sein. Eine Mikrowelle bietet sich an, wenn häufig kleine Speisemengen erwärmt werden müssen.
Beleuchtung:
Bevorzugen Sie Lampen mit eingebautem Vorschaltgerät für steckbare Kompaktleuchtstofflampen (= sog. Energiesparlampen). Bei herkömmlichen E27-Gewinde sollten Sie beachten, daß Kompaktleuchtstofflampen mit Schraubsockel Platz haben. Verwenden Sie helle Lampenschirme und dunkeln Sie Glühlampen (wenn überhaupt) mit Dimmern ab. Vermeiden Sie indirekte Beleuchtung und beleuchten Sie gezielt dort, wo Licht gebraucht wird. Halogenstrahler sind keine Stromsparlampen, sondern nur etwas effizienter als normale Glühbirnen.
Kleingeräte und Unterhaltungselektronik:
Kaffeemaschinen sollten keine Glaskanne, sondern eine Thermoskanne haben. Bei Unterhaltungsgeräten ist der Stromverbrauch bei gleichen Ausstattungen und Preisen oft erheblich unterschiedlich. Achten Sie darauf, daß mit dem Hauptschalter das Gerät auch wirklich vom Netz getrennt und nicht nur auf Bereitschaft geschaltet ist; sonst verbraucht das Netzteil dauernd Strom. Vergewissern Sie sich, daß Sie Geräte mit Senderspeichern (z.B. Videorecorder, Satellitenempfänger u. HiFi- Tuner) zumindest mehrere Tage ausstecken können, ohne daß die Sender gelöscht sind. Heizungspumpen Sie wurden früher meist zu groß dimensioniert. Heutige Modelle kommen au8erdem mit einem Bruchteil an Leistung aus. Sinnvoll ist eine Zeitschaltuhr bzw. Temperatur- oder Durchflußregelung. Fragen Sie dazu Ihren Heizungsinstallateur.
* * * * KLEINE TRICKS MIT GROSSER (SPAR-)WIRKUNG
- Hat Ihre Heizungspumpe keine Zeitschaltuhr, so sollten Sie eine einbauen und so einstellen, daß die Heizung nur arbeitet, wenn sie gebraucht wird. Das spart Pumpenstrom und Brennstoff.
- Kaufen Sie für herkömmliche E27-Glühbirnenfassungen separate elektronische Adapter für Kompaktleuchtstoffröhren. In diese Adapter (elektronische erkennt man am geringen Gewicht) werden die Röhren gesteckt, die somit austauschbar sind — Sie brauchen also das Vorschaltgerät nicht mit wegwerfen. Diese sog. Energiesparlampen bieten flackerfreies Licht in gewohnter Lichtfarbe und sparen in ihrer sechs- bis achtmal so hohen Lebensdauer gegenüber Glühbirnen bis zu 200,-DM Strom (auch wenn sie häufig geschaltet werden).
- Bastler bauen in Geräte mit „Stromfressern” (Trafos und Netzteile, die man nicht abschalten kann) Netzschalter ein: Radiorekorder, Hifi-Geräte, Antennenverstärker usw. Einfacher ist es, den Stecker aus der Steckdose zu ziehen oder eine Mehrfachsteckdose mit Schalter zu verwenden (z.B. für HiFi-Anlage, Satellitenempfänger und Videorekorder).
- Verwenden Sie statt eines Radioweckers lieber einen modernen Quarzwecker, der oft wesentlich komfortabler ist.
* * * * * TIPPS FÜR SPARMANAGER
- Im Stromsparhaushalt wird keine (teure) Wärme aus Strom erzeugt. Sowohl elektrische Heizgeräte wie elektrische Warm- wasserbereiter sollten Ihnen ein Dorn im Auge sein. Lassen Sie sich über kostengünstige und energiesparende Alternativen beraten (z.B. Gas-Durchlauferhitzer).
- Das Warmwasser für Wasch- und Spülmaschine können Sie aus der Warmwasserversorgung entnehmen.
- Es lohnt sich durchaus, auf einen Gasherd umzusteigen, denn das Kochen ist nicht nur komfortabler und energiesparender als beim Elektroherd, sondern im Betrieb auch wesentlich billiger.
- Nach all diesen Ideen und Tips sollten Sie einmal mit der „Stromsparbrille” durch Ihren Haushalt gehen. Bestimmt fallen Ihnen noch weitere pfiffige Stromspartricks ein, die Sie uns hoffentlich bald mitteilen! Die besten eingesandten Tips werden veröffentlicht und prämiert!
Primärenergie: Die gesamte im Brennstoff steckende Energie, die dann im Kraftwerk zum Teil in Strom umgewandelt wird.
Leistung: Die Leistungsaufnahme eines Elektrogerätes, gemessen in Watt (W bzw. kW). Sie gibt die momentane Stromaufnahme an.
Arbeit: Die gesamte elektrische Energie, gemessen in Kilowattstunden (kWh). Sie gibt an, wieviel Strom während der Einschaltzeit eines Elektrogerätes insgesamt verbraucht wurde.
Diese Broschüre ist Teil der Stromsparaktion 1992, die von SOLARENERGIE-FÖRDERVEREIN INFOSTELLE PLEINFELD und BUND NATURSCHUTZ KREISGRUPPE WEISSENBURG gemeinsam veranstaltet wird.
(Stand: 1992)